Institutionen

Die gesundheitliche Versorgung von Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund ist sowohl am Zentrum für interkulturelle Psychiatrie und Psychotherapie (ZIPP) wie auch am Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) und dessen Abteilung Migration, psychische und körperliche Gesundheit und Gesundheitsförderung zentrales Anliegen. Der hohe Anstieg der Zahl von Geflüchteten, die aufgrund von Krieg, politischer Instabilität und Armut ihre Herkunftsländer verlassen und nach Europa kommen, ebenso wie die zunehmende Diversität der deutschen Gesellschaft stellen die bestehenden psychosozialen Versorgungssysteme vor neue Herausforderungen. An der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité Universitätsmedizin Berlin wurde bereits 2002 das Zentrum für interkulturelle Psychiatrie und Psychotherapie (ZIPP) gegründet. Eine Struktur, die ganz im universitären Geiste die drei Säulen der Versorgung, Forschung und Lehre umfasst. In der klinischen Abteilung des ZIPP, der in die Psychiatrische Institutsambulanz integrierten ethnopsychiatrischen/ethnopsychoanalytischen Ambulanz, sind Geflüchtete seit der Gründung eine zentrale Zielgruppe und machten 2013 bereits ca. 45% der Patient*innen mit Migrationshintergrund aus. Sie kommen bislang aus ca. 80 Herkunftsnationen, so dass eine Versorgung vielfach nur mit Sprach- und Kulturmittler*innen möglich ist – eine bis dato in der psychosozialen Versorgung weiterhin nicht geklärte strukturelle und finanzielle Herausforderung.

Für die Forschung des ZIPP steht die multidisziplinäre Arbeitsgruppe Transkulturelle Psychiatrie, die von Prof. Dr. Dr. Andreas Heinz und Dr. Ulrike Kluge geleitet wird. Eine enge inhaltliche und personelle Verzahnung besteht mit dem 2014 gegründeten Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) über dessen Abteilung Migration, psychische und körperliche Gesundheit und Gesundheitsförderung.

Die intensive Kooperation zwischen dem ZIPP an der Universitätsmedizin Berlin und den Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität ermöglicht die komplementäre Verbindung von psychologisch-medizinischen mit ethnologisch-sozialwissenschaftlichen Fragestellungen und damit dezidiert die Untersuchung der Interaktionen zwischen Individuen, Gruppen, Gesundheitsinstitutionen und gesellschaftlichen Diskursen.

Angesichts der gesellschaftlichen und institutionellen Veränderungsprozesse im Kontext der neueren Flucht- und Migrationsbewegungen haben wir uns die Frage gestellt, wie wir unsere langjährige Expertise in der psychiatrischen, psychotherapeutischen und psychosozialen Versorgung von Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund gewinnbringend einbringen können. Daraus sind kurzfristig drei Projekte entstanden, die sich bis 2017 den folgenden Schwerpunkten widmen wollen: a) der Netzwerkarbeit; b) der Entwicklung und Bereitstellung von Fortbildungs- und Supervisionsangeboten; c) der partizipativen Interventionsforschung.

Ab 2017 wird ein Teil der aktuellen Projektarbeit in dem von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie geförderten Projekt TransVer weitergeführt werden. TransVer will den Zugang von Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund zur psychosozialen Versorgung mittels Weitervermittlung und Begleitung in das psychosoziale Regelversorgungssystem im Sinne einer niedrigschwelligen Clearingstelle erleichtern. Durch Fortbildungsmaßnahmen sowie durch die Erstellung einer frei zugänglichen Datenbank zu bestehenden psychosozialen Angeboten soll die Versorgung im bestehenden Versorgungssystem zudem verbessert werden.